Politik und Rechtliches

Was ist eine Ausnahmebewilligung?

Zuletzt aktualisiert: 29.07.2026

Eine Ausnahmebewilligung ist eine offizielle, von einer Behörde erteilte Genehmigung, die es einer Person oder einem Unternehmen gestattet, von einer allgemeinen gesetzlichen Vorschrift oder einem Verbot abzuweichen. Im Kontext der Ferienvermietung wird sie relevant, wenn die kurzzeitige Vermietung von Wohnraum durch lokale Regelungen, wie zum Beispiel ein Zweckentfremdungsverbot, eingeschränkt oder untersagt ist.

Solche Bewilligungen sind oft an strenge Voraussetzungen geknüpft und werden nur in begründeten Einzelfällen erteilt, beispielsweise wenn überwiegende private oder öffentliche Interessen die Abweichung rechtfertigen. Sie sind in der Regel befristet und können mit Auflagen verbunden sein.

Abonnieren Sie den Newsletter
von Lodgify

Einmal im Monat: kostenlose Vorlagen, Praxistipps und Branchen-News.

So funktioniert es

Der Prozess zur Erlangung einer Ausnahmebewilligung beginnt mit einem formellen Antrag bei der zuständigen Behörde, zum Beispiel dem Bauamt oder Bezirksamt. Antragsteller müssen detailliert begründen, warum in ihrem Fall eine Ausnahme vom geltenden Verbot gerechtfertigt ist. Dies erfordert oft die Vorlage umfangreicher Unterlagen wie Grundrisse, Nutzungsbeschreibungen und Nachweise über persönliche oder wirtschaftliche Härten.

Die Behörde prüft den Antrag im Einzelfall und wägt die Interessen des Antragstellers gegen das öffentliche Interesse ab, das dem Verbot zugrunde liegt. Die Entscheidung wird dem Antragsteller schriftlich in Form eines Bescheids mitgeteilt, der die Genehmigung erteilen, ablehnen oder mit Auflagen versehen kann.

Warum das wichtig ist

Für Gastgeber und Hausverwaltungen ist die Ausnahmebewilligung ein entscheidendes Instrument, um eine Ferienwohnung legal betreiben zu können, wo dies sonst verboten wäre. Ohne eine solche Genehmigung riskieren Betreiber hohe Bußgelder, Nutzungsuntersagungen und rechtliche Auseinandersetzungen. Das Verständnis des Antragsverfahrens und der Kriterien ist daher essenziell, um die wirtschaftliche Nutzung einer Immobilie zur Kurzzeitvermietung in regulierten Märkten zu sichern oder wiederherzustellen.

Beispiele

  • Ein Eigentümer in Berlin beantragt eine Ausnahme vom Zweckentfremdungsverbot, um seine Zweitwohnung während seiner berufsbedingten Abwesenheit als Ferienwohnung zu vermieten. Er muss nachweisen, dass er die Wohnung weiterhin überwiegend selbst nutzt.
  • In Wien möchte ein Investor ein Apartment in einer als Wohnzone gewidmeten Liegenschaft ausschließlich für touristische Zwecke nutzen. Er muss eine Ausnahmebewilligung nach der Wiener Bauordnung beantragen, da die gewerbliche Kurzzeitvermietung in reinen Wohnzonen grundsätzlich nicht zulässig ist.
  • In einer Schweizer Gemeinde mit einem Zweitwohnungsanteil über 20 % will ein Bauträger eine bestehende Wohnung in eine Ferienwohnung umwandeln. Er benötigt eine Ausnahmebewilligung, da das Zweitwohnungsgesetz (Lex Weber) die Umwidmung zu Zweitwohnungen stark einschränkt.
  • Ein Gastgeber in einem reinen Wohngebiet an der Nordsee, dessen Bebauungsplan Ferienwohnungen ausschließt, beantragt eine Befreiung von den Festsetzungen des Plans, um seine Einliegerwohnung legal an Feriengäste vermieten zu können.

Offizielle Quellen und Referenzen

Häufige Fragen zu Ausnahmebewilligung

Ist eine Ausnahmebewilligung dauerhaft gültig?+
Nein, in der Regel nicht. Ausnahmebewilligungen werden meist nur befristet für einen bestimmten Zeitraum erteilt, zum Beispiel für zwei bis fünf Jahre. Nach Ablauf der Frist muss oft eine neue Genehmigung beantragt werden. Die Behörde kann die Bewilligung auch widerrufen, wenn die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind oder gegen Auflagen verstoßen wird.
Was kostet die Beantragung einer Ausnahmebewilligung?+
Die Kosten sind je nach Gemeinde und Land sehr unterschiedlich und richten sich nach der jeweiligen Verwaltungsgebührenordnung. Sie können von einem niedrigen dreistelligen Betrag bis zu mehreren tausend Euro oder Franken reichen. Die genaue Höhe hängt vom Verwaltungsaufwand der Prüfung und dem wirtschaftlichen Wert der Genehmigung ab. Informieren Sie sich vorab bei der zuständigen Behörde.
Welche Unterlagen werden für den Antrag typischerweise benötigt?+
Üblicherweise sind ein formeller Antrag, eine detaillierte Begründung, Grundrisse der Wohnung, ein Eigentumsnachweis wie ein Grundbuchauszug und eine Beschreibung der geplanten Nutzung erforderlich. Je nach Fall können auch Nachweise zur persönlichen Situation, zum Beispiel berufliche Abwesenheit, oder wirtschaftliche Kalkulationen verlangt werden. Die genauen Anforderungen legt die zuständige kommunale Behörde fest.
Erhöht die Beauftragung eines Anwalts die Erfolgschancen?+
Die Beauftragung eines auf Bau- oder Verwaltungsrecht spezialisierten Anwalts kann die Erfolgschancen erhöhen. Ein Anwalt kann die Erfolgsaussichten vorab prüfen, bei der Zusammenstellung der Unterlagen helfen und eine rechtlich fundierte Begründung formulieren. Insbesondere bei komplexen Fällen oder nach einer ersten Ablehnung ist juristische Unterstützung oft ratsam, um formale Fehler zu vermeiden.
Weiterlesen

Verwandte Begriffe

Bleiben Sie informiert

Abonnieren Sie den Newsletter von Lodgify.

Einmal im Monat kostenlose Vorlagen, Tipps für Gastgeber, Branchen-News und Webinar-Einladungen — direkt in Ihren Posteingang.

Eine E-Mail pro Monat. Jederzeit abbestellbar.

Lodgify

© 2026 Lodgify. Alle Rechte vorbehalten.