Industrie

Was ist Agrotourismus (Urlaub auf dem Bauernhof)?

Zuletzt aktualisiert: 29.07.2026

Agrotourismus, im deutschsprachigen Raum oft als Urlaub auf dem Bauernhof bezeichnet, ist eine Form des Tourismus, bei der Gäste in Unterkünften auf aktiven landwirtschaftlichen Betrieben übernachten. Diese Reiseform verbindet Erholung mit dem authentischen Erleben des ländlichen Lebens und der landwirtschaftlichen Produktion.

Gäste haben oft die Möglichkeit, am Hofleben teilzunehmen, lokale Produkte zu genießen und die Natur direkt zu erleben. Für Landwirte stellt der Agrotourismus eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle dar, die zur Diversifizierung und zum Erhalt des landwirtschaftlichen Betriebs beiträgt.

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So funktioniert es

Landwirte, die Agrotourismus anbieten möchten, richten auf ihrem Hof Unterkünfte für Gäste ein. Dies können Zimmer, Ferienwohnungen oder sogar umgebaute Scheunen sein. Die Vermarktung erfolgt oft über spezialisierte Verbände wie 'Urlaub am Bauernhof' in Österreich oder 'Agrotourismus Schweiz' sowie über allgemeine Buchungsportale und eigene Websites.

Der Betrieb der Ferienunterkunft läuft parallel zum landwirtschaftlichen Alltag. Gastgeber müssen die Gästebetreuung, Buchungsverwaltung und Reinigung organisieren. Ein zentrales Element ist oft das Angebot hofeigener Produkte oder Aktivitäten wie Tierfütterungen, Traktorfahrten oder Mithilfe bei der Ernte, um den Gästen ein authentisches Erlebnis zu bieten.

Warum das wichtig ist

Für landwirtschaftliche Betriebe ist Agrotourismus eine strategisch wichtige Einkommensdiversifizierung. Er schafft eine von Ernteerträgen und Agrarpreisen unabhängige Einnahmequelle und kann die ganzjährige Auslastung des Betriebs verbessern. Zudem ermöglicht er den direkten Verkauf hofeigener Produkte an die Gäste und stärkt die Kundenbindung. Dies trägt zur wirtschaftlichen Stabilität und Zukunftsfähigkeit des Hofes bei und fördert gleichzeitig den ländlichen Raum.

Beispiele

  • Ein Winzerhof an der Mosel, der neben dem Weinanbau mehrere Ferienwohnungen in einem alten Gutsgebäude vermietet und Weinproben anbietet.
  • Ein Bio-Bauernhof in den österreichischen Alpen, der Zimmer mit Frühstück anbietet, wobei die Gäste bei der Heuernte helfen und Käse aus eigener Produktion verkosten können.
  • Ein Obstbaubetrieb am Bodensee in der Schweiz, der moderne Ferienhäuser vermietet und Gästen erlaubt, bei der Apfelernte mitzuwirken und frischen Saft zu pressen.
  • Ein Reiterhof in der Lüneburger Heide, der neben dem landwirtschaftlichen Betrieb auch Reitstunden und Ausritte für die übernachtenden Feriengäste anbietet.

Offizielle Quellen und Referenzen

Häufige Fragen zu Agrotourismus (Urlaub auf dem Bauernhof)

Benötige ich eine spezielle Genehmigung für Urlaub auf dem Bauernhof?+
Ja, die Anforderungen variieren. In Deutschland sind je nach Bundesland und Umfang eine Baugenehmigung für Umbauten und oft eine Gewerbeanmeldung nötig. In Österreich ist die Vermietung im Rahmen der landwirtschaftlichen Nebentätigkeiten oft privilegiert, unterliegt aber melderechtlichen und baurechtlichen Vorschriften. In der Schweiz müssen kantonale Bau- und Raumplanungsgesetze beachtet werden, insbesondere bei Bauten außerhalb der Bauzone. Eine frühzeitige Abklärung mit der zuständigen Gemeinde ist in allen drei Ländern unerlässlich.
Wie wird Agrotourismus steuerlich behandelt?+
Die steuerliche Behandlung ist komplex. In Deutschland können Einnahmen unter bestimmten Voraussetzungen noch zur Land- und Forstwirtschaft zählen oder als Gewerbebetrieb bzw. Vermietung und Verpachtung gelten. In Österreich fallen die Einnahmen oft unter die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, solange sie einen Nebenerwerb darstellen. In der Schweiz werden die Mieteinnahmen als Einkommen besteuert. Die Umsatzsteuerpflicht hängt von den jeweiligen nationalen Schwellenwerten ab, die zu beachten sind.
Welche Versicherungen sind für Anbieter von Agrotourismus wichtig?+
Eine Betriebshaftpflichtversicherung, die explizit die Beherbergung von Gästen und eventuell angebotene Aktivitäten abdeckt, ist unerlässlich. Diese schützt Sie vor Schadensersatzansprüchen. Zusätzlich ist eine Gebäude- und Inventarversicherung für die vermieteten Räumlichkeiten wichtig, um Schäden durch Feuer, Wasser oder Sturm abzusichern. Prüfen Sie sorgfältig die Deckungssummen und eingeschlossenen Risiken Ihres bestehenden Versicherungsschutzes und passen Sie diesen bei Bedarf an die neue Tätigkeit an.
Gibt es Qualitätsstandards oder Zertifizierungen für Agrotourismus?+
Ja, in allen drei Ländern gibt es Verbände, die Qualitätsstandards definieren und Zertifizierungen anbieten. In Deutschland klassifiziert der DTV Ferienunterkünfte mit Sternen, es gibt aber auch spezielle Siegel für Bauernhöfe. In Österreich vergibt der Verband 'Urlaub am Bauernhof' Blumen als Qualitätszeichen. In der Schweiz bietet 'Agrotourismus Schweiz' ein eigenes Klassifizierungssystem an. Solche Zertifizierungen schaffen Vertrauen bei den Gästen und können ein wichtiges Marketinginstrument sein.
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